Psychische Gewalt: Der Schlüssel zu Macht, Kontrolle – und Verständnis

Hauptthema von re-empowerment ist psychische Gewalt, zu der auch die verbale Gewalt gehört.

Warum? Weil sie die Antwort liefert auf zahlreiche „Standard-Fragen“ rund um „häusliche Gewalt“:

  • Wie kommt es, dass so viele Frauen sich „sowas bieten lassen“?
  • Warum verlassen sie den Täter nicht?
  • Warum dauert es so lange, sich von einer Gewaltbeziehung zu „erholen“?
  • Und wieso wird hier ständig wiederholt, dass Gewalt viel zu spät erkannt wird?

Psychische Gewalt erklärt, wie es sein kann, dass Frauen, die „niemals geglaubt hätten, dass IHNEN so etwas wiederfahren könnte“, vor Erleichterung weinen, wenn sie nach der Freischaltung für unser Forum erfahren, dass sie nicht verrückt und vor allem nicht alleine sind. Hat man verstanden, wie eine Partnerschaft mittels psychischer Gewalt sukzessive und v.a. systematisch in eine Gewaltbeziehung umgeformt wird, wird auch verständlich, warum so viele Frauen schweigend erdulden, von ihrem „Partner“ abgewertet, herabgewürdigt und misshandelt zu werden, anstatt sich eben „einfach zu trennen“.

Es ist dem Wesen psychischer Gewalt zuzuschreiben, dass Beziehungsgewalt weder von den Opfern noch von Außenstehenden als solche erkannt wird. Gewalt wird i.d.R. anhand derer Folgen überhaupt erst sichtbar. Allerdings haben die sich akkumulierenden Auswirkungen und Folgen dann längst ein kritisches Ausmaß erreicht.

Warum dauert es so lange, bis es den Betroffenen nach der Trennung wieder gut geht? Auch diese Frage lässt sich beantworten, wenn man erst verstanden hat, was diese Gewaltform in der Psyche und dem Selbstbild der Opfer anrichtet.

Aber was ist das denn eigentlich, psychische Gewalt?

Unter dem Begriff psychische Gewalt lassen sich eine Vielzahl von Strategien, Methoden und Verhaltensweisen zusammenfassen, die darauf abzielen, die Partnerin

  • zu verunsichern (in ihrem Selbstbild, ihrer Wahrnehmung, ihrem Vertrauen in sich selbst und andere, u.v.m.)
  • aus dem Gleichgewicht zu bringen
  • zu schwächen. … und bisweilen auch:
  • zu verletzen

Einen Überblick verschiedener Methoden finden Sie in unserer Übersicht über Gewaltformen. Sehr konkrete Beispiele finden Sie in diesem Text. Sämtliche Unterseiten zu diesem Thema finden Sie am Textende mit einer kurzen Beschreibung.

Ist das nicht eigentlich etwas, was in allen Beziehungen mal vorkommt?

Die Anwendung der jeweiligen Strategien und Methoden dient nicht der kurzfristigen Abreaktion von Frustration oder dem kurzfristigen Ausleben von Feindseligkeit, sondern ist vielmehr Mittel zum Zweck, um das zu erreichen, was der Kern jeglicher Beziehungsgewalt ist: Macht, Privilegien und Kontrolle.

Eine Gewaltbeziehung, so wie wir sie verstehen, ist gekennzeichnet durch ein systematisch vom „Partner“ herbeigeführtes Machtungleichgewicht. Denn nur dann ist es ihm möglich:

  • Kontrolle über seine Partnerin auszuüben, sprich über sie zu bestimmen und zu verfügen
  • In der Beziehung „das Sagen“ zu haben, sprich: die Regeln des Miteinanders festzulegen.
  • Seinen Anspruch auf vollumfängliche Bedürfniserfüllung durchzusetzen.
  • Definitionshoheit zu beanspruchen, sprich festzulegen, was wahr und angemessen ist und was nicht.
  • Seinen Besitzanspruch auf die Partnerin geltend zu machen.
  • Selber nicht zu Rechenschaft verpflichtet zu sein. … und vor allem auch:
  • Sich maximal gewiss zu sein, dass die Partnerin nicht genau das tut, wovon sie einst überzeugt war: sich so etwas auf keinen Fall bieten zu lassen.

Anders ausgedrückt: Es geht darum, die vermeintliche Partnerschaft in eine Herrschaft umzuwandeln. Und eine Rollen- und Rechteverteilung zu schaffen, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts der Norm entsprach, mit den heutigen Vorstellungen von Gleichberechtigung aber unvereinbar, und für kaum eine Partnerin erstrebenswert ist.

Um die eigenen Beziehungsvorstellungen Realität werden zu lassen, bedarf es aus Sicht des „Partners“ Wegen und Methoden, mittels denen die Partnerin sukzessive ihrer Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit beraubt und stattdessen der eigenen Herrschaft und Kontrolle unterworfen wird.

Genau hier kommt psychische Gewalt ins Spiel. Und die durch sie bewirkte sukzessive Destabilisierung, Verunsicherung und Schwächung der Partnerin.

Um den systematischen Entwicklungsverlauf einer Gewaltbeziehung besser abbilden zu können, entwickelten wir vor einigen Jahren die Darstellung mittels einer Spirale.

Die Entwicklung einer Gewaltbeziehung folgt einer Spirale

Gewaltbeziehungen folgen einer spiralförmigen Entwicklung

 

Diese Informationen sind nicht für Ihren Partner bestimmt

Verlockend aber gefährlich: wir empfehlen nachdrücklich, die Informationen auf dieser Seite nicht Ihrem „Partner“ vorzulegen. Auch wenn Sie selber nicht an einer Teilnahme in unserem Forum interessiert sind, könnte es zu folgendem führen:

a) Ihr „Partner“ meldet sich prophylaktisch im Forum an. Sollten Sie das Forum irgendwann selber nutzen wollen, kann er Sie erkennen und alles von Ihnen geschriebene, gegen Sie verwenden.

b) Ihr „Partner“ wird sein Verhalten nicht einsehen oder einstellen, er wird es allenfalls verändern um seine Misshandlung besser zu verschleiern.

Erfahren Sie mehr über psychische Gewalt

Abschrift einer Selbsterkundungsübung aus dem Buch „Neu anfangen nach einer Misshandlungsbeziehung“. Deren Absicht: Überlebenden einen Eindruck vermitteln, wie tiefgreifend die Folgen und Auswirkungen der durch den „Partner“ ausgeübten psychischen Gewalt ist. Lesenswert auch für Nicht-Betroffene!

Psychische Gewalt ist weit mehr als Wutausbrüche, Geschrei und Beleidigungen. Sie erfolgt meist verdeckt, oft doppeldeutig. Dieser Artikel zeigt anhand von Beispielen zahlreiche Formen psychischer Misshandlung auf: Respektlosigkeit, Unhöflichkeit, Herablassung, Bevormundung, ständige Kritik, Verurteilung, beleidigende „Witze“, Lügen, „Vergessen“, Vertrauensbrüche, Fallen und Verzerrungen der Vergangenheit.

Wutausbrüche, die sich über der Betroffenen entladen, sind nur eine von zahlreichen Formen verbaler Gewalt. Da sie fast stets gegen die Partnerin gerichtet sind, wird sie alles in ihrer Macht stehende versuchen, damit der „Partner“ nicht wütend wird. – Doch Täter misshandeln nicht, weil sie wütend sind; ihre Wut ist Resultat ihrer Haltungen und Ansichten, aufgrund derer sie Täter sind.