Herausforderung und Notwendigkeit: Häusliche Gewalt erkennen

Betroffene Frauen leiden nach der Trennung oft unter quälenden Zweifeln, ob das, was sie erlebt haben wirklich Gewalt, wirklich eine Misshandlungsbeziehung war. Dies trifft oft sogar auf Betroffene zu, die schwer körperlich und sexuell misshandelt wurden. Das Zweifeln ist fast „normal“ und kann individuell verschiedene Gründe haben, die in einem anderen Text beschrieben werden.

Wir empfehlen Betroffenen, egal ob bereits getrennt oder noch in der „Partnerschaft“ (über)lebend – auch im Sinne einer „Rückfallprophylaxe“ – eine zunehmend wachsende und detaillierte Liste der erfahrenen Misshandlungen zu erstellen und auf diese zurückzugreifen, wenn Zweifel oder Sehnsucht „nach den guten Zeiten“/ „nach seinen guten Seiten“ aufkommen.

Ziel dieses Textes ist, dass Betroffene sich gewahr werden, nicht einfach eine „schwierige“ Beziehung hinter sich zu haben, deren „Schwierigkeiten“ sie mindestens zur Hälfte selbst zu verantworten haben und die vielleicht sogar „geheilt“ werden könnte; – sondern dass sie Opfer einer Misshandlungsbeziehung wurden.

Der nachfolgende Text ist eine Abschrift der ersten Selbsterkundungsübung aus dem Psychologischen Sachbuch:

„Neu anfangen nach einer Misshandlungsbeziehung“ von Meg Kennedy Dugan und Roger R. Hock, 1. Auflage 2009, Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern, S. 41 und 42.

Eine Bestellmöglichkeit ist am Seitenende zu finden.

Erleb(t)e ich Partnerschaftsgewalt?

Eine Checkliste.

Wenn Sie immer noch grübeln, ob es sich bei Ihrer zurückliegenden Beziehung um eine Misshandlungsbeziehung handelte, probieren Sie es einmal mit dem folgenden Quiz.

Welche der folgenden Verhaltensweisen haben Sie mit Ihrem Partner erlebt: Er …

  • schrie
  • beschimpfte Sie
  • kritisierte Sie
  • überprüfte Sie
  • tauchte unterwartet auf
  • bot keine emotionale Unterstützung
  • Verfolgte immer, wo Sie sich gerade aufhielten
  • übernahm die gesamte Alltagsplanung
  • verwaltete alleine das gesamte Geld
  • beschuldigte Sie unberechtigt
  • machte Sie nieder
  • schenkte Ihnen keine Beachtung

 

Versuchen Sie, sich zu erinnern, wie häufig Sie bestimmtes Verhalten erlebt haben: Er …

  • drohte Ihnen oder bedrohte Sie
  • sagte Ihnen, wen Sie treffen und wen Sie nicht treffen durften
  • hielt Sie von Ihrer Familie fern
  • sagte, er habe immer recht
  • türmte sich vor Ihnen auf
  • schlug Sie
  • packte Sie grob an
  • schränkte Sie ein
  • schubste Sie
  • bedrohte Sie mit Gewalt
  • verfolgte Sie
  • trat Sie
  • würgte Sie
  • erzwang Geschlechtsverkehr

 

ALLE der aufgeführten Verhaltensweisen sind Anzeichen einer Misshandlungsbeziehung. Gewaltbeziehungen sind nicht alle „gleich“ schlimm, aber alle sind auf ihre eigene Weise sehr schmerzhaft und destruktiv.

 

Wir danken dem Verlag Hans Huber für die Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Auszugs!

 

Mehr Informationen zum kritischen Vergleich:

 

Quelle der Checkliste und des dazugehörigen Textes und uneingeschränkte Empfehlung an alle Frauen, die von einer Misshandlungsbeziehung betroffen waren: Neu anfangen – nach einer Misshandlungsbeziehung

 

 

Amazon-Rezension von re-empowerment

Dieses Buch ist weniger ein Buch zum „von Deckel zu Deckel durchlesen“, vielmehr ist es ein Arbeitsbuch, das die Betroffene Kapitel für Kapitel durcharbeiten kann – und sollte, diese Arbeit ist lohnenswert und beschert einen tieferen Erkenntnisgewinn als bloßes Lesen. Die Betroffene erfährt die dringend notwendige Validierung ihrer Wahrnehmung und wird quasi Schritt für Schritt durch die Entwirrung des durch die Misshandlungsbeziehung oft fast zerstörten Lebens begleitet. (…)
Obgleich die Ansprache (siezen) zunächst evtl. ungewöhnlich ist, entsteht beim Lesen oft das Gefühl, man säße einer kundigen, empathischen Psychotherapeutin gegenüber, die die eigene Lage und das eigenes Fühlen und Erleben spiegelt.

Die Autor*innen regen zu Recht dazu an, einzelne Kapitel nach einigen Monaten zu wiederholen.

Zwar kann kein Buch die nach einer Misshandlungsbeziehung fast immer benötigte (oft aber schlichtweg nicht verfügbare) professionelle Unterstützung ersetzen, dennoch ist dies ein hilfreicher Leitfaden durch den gesamten, langen Weg der Aufarbeitung einer Partnerschaft, die von Macht, Gewalt und Misshandlung geprägt wurde.

Im Register sind Beratungsangebote und Kontaktadressen in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeführt.

 

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