Psychische Gewalt und psychische Grausamkeit: Idealisierung und Abwertung

Das Original des folgenden Textes entstammt der einer früheren Newsgroup zu einer Störung aus dem Cluster B Spektrum. Die ursprüngliche Übersetzung stammt von moonlight. Für die vorliegende Version wurden Bezeichnungen von Störungsbildern entfernt, ersetzt oder weiter gefasst.

 

Idealisierung und Abwertung

Die leidvollste Phase für Menschen, die mit einem Psychopathen zusammen sind beginnt eine Phase großen Leides, wenn aus Idealisierung Abwertung wird. Sie endet, wenn unser Pathologische Partner sich unserer entledigt.

Was verstehen wir unter dem Begriff „Psychopath“

Ein Pathologischer Partner weist Merkmale verschiedener Störungen des Clusters B auf sowie i.d.R. einen ausgeprägten Machiavellismus, er strebt danach, Macht und Kontrolle über andere auszuüben. Seine pathologischen Verhaltensweisen sind keine therapierbare Neurose, sondern tief in seiner Persönlichkeit verwurzelt. Er erlebt keinen Leidensdruck.

Psychopathen werden oft als sehr charismatisch, manchmal dramatisch, verführerisch, und in höchstem Maß attraktiv beschrieben. Sie schaffen es, dass Du die unvernünftigsten Dinge tust und auch glaubst.

 

Der hyperlative Honeymoon: Idealisierung und Höhenflug

Anfangs ist es paradiesisch. Sie sind aufregend und sexy. Sie sind unternehmungslustig. Sie geben uns das Gefühl, attraktiver zu sein, wichtiger und brillianter, als wir je zu hoffen wagten. Wir ahnen nicht, das genau dies ihre typische Masche ist, mit der sie immer wieder Erfolg haben.

Wir werden idealisiert. Wir sind das perfekte Ideal unseres Selbstbildes. Wie ein professioneller Maskenbilder schafft er das perfekte Bild von Dir. Du erlebst Dich durch seine bewundernden Blicke, sein Begehren. Er erklärt Dich zur Göttin, behandelt Dich wie eine Königin, – und so fühlst Du Dich auch.

Die Idealisierungsphase ist der Himmel. Nichts könnte das toppen. Es ist berauschend. Wir verlieren unser Gleichgewicht. Es ist unser höchster Höhenflug. Vielleicht spüren wir Momente der Gefahr. Zu Recht: Wir verlieren uns selbst. Wir verlieren die Fähigkeit, Glücksgefühle aus uns Selbst zu produzieren. Wir erliegen dem schnellen Rausch. Anders ausgedrückt: Wir werden hochgradig süchtig. Nach ihm.

Es fühlt sich zu schön an, um wahr zu sein, weil es nicht wahr ist.

 

Der Sündenfall. Ungeahnte Seelische Grausamkeit

Eines Tages, aus einem unerfindlichen Grund, passiert dann etwas hässliches. Wir werden plötzlich ignoriert oder tief beleidigt oder werden zur Zielscheibe. Es passiert scheinbar grundlos. Es tut so weh wie ein Dolchstoß in die Seele. Wir versuchen, diesen unbekannten Fehler zu „bereinigen“, der uns weniger wundervoll in den Augen unseres Partners erscheinen lässt.

Vielleicht spürt etwas in uns, dass jetzt eine neue Ära anbricht. Vielleicht ahnen wir, dass es bisher gar nicht um UNS als Individuen ging. Aber diese Gedanken tun viel zu weh, sind viel zu unangenehm, als dass wir sie weitergeführt hätten. Wir sagen uns, dass das, was uns da so unvermittelt an Ablehnung oder Kälte entgegengebracht wurde, wieder aufhören wird. Bald wird es wieder so wie es war: Unser Partner wird erkennen, wie sehr er uns liebt und dass sich nichts verändert hat.

Selbst wenn der erste Fall bereits in einem Seitensprung unseres Partners mündete: Wir alle erleben kurzfristig faszinierende Momente ausserhalb unserer Primärbeziehung. Für die meisten Menschen, für Menschen mit klaren Grenzen, zieht soetwas vorüber wie ein Film, ohne darauf zu reagieren oder zu handeln. Wir nehmen an, unser Partner hält es genauso. Es dauert zwar länger, als uns lieb ist, aber es wird besser.

 

Gefangen in Hoffnung und Sucht

Das Leben erhält seine vorherige Vollkommenheit danach nicht zurück. Dennoch wird unsere Hoffnung immer wieder reaktiviert, unsere Sucht immer wieder angefüttert. Wir fassen den Entschluss, attraktiver, begabter und aufmerksamer zu werden, damit so etwas nie wieder vorkommt.

Doch wir wurden abgewertet. Wir mögen vielleicht wieder aufgewertet werden, aber wir werden nie mehr idealisiert. Wir verstehen es nicht, weil es keinen Grund dafür gibt. So beginnt der Verlust unserer Identität, um die Liebe zurück zu gewinnen.

Wir leben fortan zwischen Entwertung und Fallengelassenwerden. Wie auch die regelmäßige psychische Grausamkeit, ist dies der gemeinsame Faden, der viele Partnerinnen von Psychopathen verbindet.

Psychpathischen Partnern fehlt die innere Entwicklung eines „Selbst“, daher leihen sie sich unseres. Während sie das tun, sind sie immer weniger angetan von unserem “Bild“. Wir tragen sichtbare Makel. Sowohl unsere eigenen, als auch die unseres Pathologischen Partners, die er auf uns projiziert hat. Alles was er an sich verdrängt, meint er in uns zu entdecken. Und es mit Entschlossenheit, Gewalt und psychischer Grausamkeit bekämpfen.

Wir haben unseren Glanz mit der Bindung an diesen Partner verloren. Er oder sie muss ein neues Musterexemplar finden.

Wir können das anfangs nicht nachvollziehen. Wir haben auch unsere psychischen Wunden, aber wir können uns akzeptieren und sogar unsere eigene Gesellschaft genießen.

Stell’ Dir vor wie es sein muss, seine eigene Gesellschaft entweder als nichts oder als unerträglich zu empfinen. Das muss erschreckend sein. Aus dieser Sicht ist es verständlich, dass diese Personen alles menschenmögliche tun müssen, um niemals in den Spiegel sehen zu müssen. Sie flüchten. Sie projizieren alles, was sie an sich ablehnen, alles was nicht 100% perfekt ist, auf uns.

Für einige Zeit akzeptieren wir diese Last. Wir sehen, dass sie leiden. Wir lieben sie, also nehmen wir es an, in der Hoffnung, ihre Last zu erleichtern und ihnen zu helfen, sich besser zu fühlen.

Wieder und wieder nehmen wir uns ihrer Schmerzen an. Doch sie hassen uns immer mehr dafür. Das verwirrt uns.

Sie sehen uns an und sehen sich selbst. Sie werden rasend vor Wut und laufen weg; sie beleidigen und flehen; sie finden Fehler und verspotten uns.

Wir lieben sie. Durch die Verwirrung werden wir traumatisiert und verstört. Wir fallen in einen Abgrund. Wir sehen uns selbst nicht mehr. Wir haben die ultimative Ironie des Schicksals erreicht.

Der Pathologische Partner strebt nicht nach Selbsterkenntnis. Er strebt nach einem grandiosen Pseudo-Selbst, dass niemand jemals erfüllen kann.

Wenn wir an diesen Punkt angelangt sind, erleben wir uns als komplett machtlos, ohnmähtig, und unseren Partner als allmächtig. – Dies ist die vom Psychopathen angestrebte Spiegelung. jedoch kommt sie nunmehr von einer Person, uns, die längst keinen Wert mehr in seinen Augen besitzt. Zudem stößt es ihn ab, unsere Schwäche und Bedürftigkeit in diesem Zustand auszuhalten. Angeekelt lässt er uns fallen. Und sucht nach einem frischen Objekt.

 

Entsorgt werden, Heilen, Erstarken – und damit rückfallgefährdet

So schmerzhaft jede Zurückweisung auch ist, liegt unsere endgültige Erlösung darin, dass er uns fallenlässt.

Wir betrauern den Verlust und bewerten unsere Prioritäten neu. Wir schenken uns selbst wieder Anerkennung. Wir verfügen über das Geschenk unseres Selbst. Auch wenn wir allein sind – wir sind in Gesellschaft eines menschlichen Wesens mit einer Seele, unserer Seele. Allmählich gehen wir wieder zur Arbeit, zum Shopping, zur Schule. Wir bauen Brücken wieder auf und bauen neue Straßen. Wir finden Wege, unser Gesamtselbst wieder mit anderen interagieren zu lassen. Wir beginnen zu heilen.

Heilung nach einer solchen Konstellation ist ein schlüpfriger Pfad. Während wir unser Gesamtselbst zurückgewinnen, haben wir unser Herz noch nicht ganz für die Person geschlossen, die wir liebten. Wir sind immer noch äußerst empfänglich für die rauschhaften Höhenflüge, die wir mit ihm – und nur mit ihm in Verbindung bringen. Dafür sind wir gewillt psychische Grausamkeit zu vergessen und zu verzeihen.

Wir haben schon vorher Trennungen romantischer Beziehungen und nachfolgende Heilungen erlebt. Nach einiger Zeit ergab sich oft eine liebevolle Freundschaft oder zumindest eine liebevolle Stimmung blieb zurück zwischen unseren früheren Partnern und uns.

Der gestörte Partner bemerkt unsere neue Erstarkung. Sofort sind wir wieder attraktiv für ihn. Durch unsere vergangenen Erfahrungen mit normalen Partnern begrüßen wir ihr „Angebot“.

Es überrascht uns und ist enttäuschend, wenn er unsere frisch gewonnene Lebensenergie kurzfristig wie ein Eelexier aufbraucht und uns erneut am Strassenrand liegen lässt. Wieder müssen wir uns selbst heilen.

Dieser Tanz kann sich viele Male wiederholen. Jedes Mal wird er kürzer, und gottseidank weniger schmerzhaft. Wir lernen uns zu schützen vor dem Gestörten, dem Räuber, der er/sie ist.

Am Ende gehört das letzte “Ausrangieren” uns. Wir setzen die Grenze. Wir beenden den Tanz. Sie besitzen keine Grenzen und sind nicht fähig dazu.

Die Kluft zwischen der Entwertung durch unseren Partner und der Entscheidung, ihn endgültig „ausrzuangieren“ schließt sich in dem Moment, wenn wir begreifen, dass es kein Zurück mehr gibt. Weder Freundschaft noch Feindschaft. Da kann überhaupt gar nichts mehr sein.

 

Kommentar zur ursprünglichen Version (kez)

Dieser Text wird von vielen „frisch getrennten“ oder „noch nicht getrennten“ Frauen als sehr hilfreich und Augen-öffnend empfunden. Dies allein ist Grund genug für die Veröffentlichung auf dieser HP. Dennoch sind folgende, kritische Kommentare bitte in Bedacht zu nehmen:

  • Nicht jeder Mensch mit einer Persönlichkeitsstörung „des B Clusters“ misshandelt seine Partnerin / seinen Partner.
  • Im Forum von re-empowerment ist die Generalisierung über und die Diskriminierung gegen einzelne Persönlichkeitsstörungen u.a. aus o.g. Punkt zu unterlassen.

 

© Personality Disorder MSN-Group. Danke an moonlight für die Übersetzung, die Grundlage der jetzigen Version des Artikels war.