Warnsignal, Vorstufe und Strategie: soziale Gewalt und Isolation

Partnerschaftsgewaltl dient letzten Endes dem Zweck, Macht und Kontrolle über die Betroffene auszuüben. Siehe auch: Beherrschender Einfluss – die Manifestation von Macht

Um ein maximal mögliches Maß an Macht, Einfluss und Kontrolle zu erreichen, ist es für den Misshandler notwendig, die Betroffene weitestgehend zu isolieren und von sämtlichen Kontakten abzuschneiden, die nicht „auf seiner Seite sind“.

Was steckt dahinter, was ist der „Sinn“ sozialer Isolation?

Je weniger Bezugspersonen die Betroffene hat, desto geringer ist die Chance, dass sein Verhalten als Gewalt entlarvt wird. Die Betroffene hat keine Möglichkeiten, über ihr Erleben in der „Partnerschaft“ zu sprechen und von anderen Menschen darin unterstützt zu werden, sich aus dieser destruktiven Konstellation zu lösen. Es gibt keine Gegenbotschaften zu den Entwertungen des Misshandlers, so dass dieser immer größeren Einfluss auf Leben, Denken und Fühlen der Betroffenen hat. Isolation erleichtert Kontrolle.

Gleichzeitig erhöht Isolation der Betroffenen die Sicherheit, dass niemand von dem gewalttätigen Verhalten erfährt, so dass sein positives Dr. Jekyll-Saubermann-Image nicht befleckt wird.

Wie wird soziale Isolation möglichst unmerklich erreicht?

  • Er „vergisst“, Grüße von anderen Menschen auszurichten oder Dir auszurichten, dass Freunde/Verwandte von Dir angerufen haben. Ziel: Deine Freunde/Verwandte gewinnen den Eindruck, dass Du kein Interesse an Kontakt mit ihnen hast.
  • Geplante Treffen mit Freunden/Verwandten werden boykottiert: Zu Beginn der „Partnerschaft“ monopolisiert er Deine Zeit unter dem Vorwand „am liebsten in trauter Zweisamkeit allein mit Dir zu sein“. Später werden Treffen boykottiert indem er entweder indem er so lange quengelt (oder spontane Krankheit und Pflegebedürftigkeit vortäuscht) und/oder streitet bzw. Streit vom Zaun bricht, bis Du zu Hause bleibst.
  • Er erlaubt Dir nicht, Deine Freunde/Verwandte in Euer gemeinsames Zuhause einzuladen oder aber er stört Treffen in Eurem Zuhause durch demonstrative schlechte Laune oder Lärm.
  • Er baut Scheinfreundschaften mit Deinen Freunden auf. Ziel: Wenn Du mit diesen Personen über Dein Beziehungserleben sprichst werden sie Dir nicht glauben oder sich zur Unparteilichkeit verpflichtet fühlen. In einem fortgeschrittenen Stadium kann er diesen Menschen erzählen, dass Du zunehmend labil wirst, er sich Sorgen um Dich macht, etc. Diese Strategie kann auch bei Deinen Familienangehörigen angewendet werden.
  • Er wertet die Menschen in Deinem Umfeld massiv und kontinuierlich ab. Unterschwellige Botschaft: „wenn Du Dich mit solche dummen/langweiligen/minderwertigen Menschen umgibst, bist Du selber dumm/langweilig/minderwertig“
  • Er weigert sich, an Treffen mit Freunden/Verwandten von Dir teilzunehmen oder verhält sich bei Treffen unmöglich, so dass Deine Freunde/Verwandten kein Interesse an weiteren gemeinsamen Treffen haben.
  • Er flirtet mit Deinen Freundinnen oder erzählt Dir, dass Freundinnen/Kolleginnen oder weibliche Verwandte von Dir in angebaggert hätten.
  • Er erzählt Dir, dass Freunde/Verwandte von Dir schlecht über Dich geredet hätten.
  • Er verhält sich absichtlich so, dass Deine Freunde ihn nicht mögen. Ist er sich deren Antipathie sicher, drängt er Dich ihm zu erzählen, was diese Personen von ihm halten und fordert anschließend Solidarität: „die oder ich“.
Für die Position des Misshandlers ist die „ideale“ Strategie, dafür zu sorgen, dass offene Brüche der sozialen Verbindungen der Betroffenen entstehen, Freundschaften explizit beendet und sich von der Familie losgesagt wird.

Sein Ziel ist es, tatsächlich „der einzige Mensch in Deinem Leben“ zu werden, um den sich Dein gesamtes Leben dreht. Er muss der einzige Mensch sein, der Einfluss auf Dich ausüben kann und er muss vermeiden, dass sein Einfluss als destruktiv entlarvt wird.

Gleichzeitig führt Deine absichtlich herbeigeführte Einsamkeit aufgrund der Isolation dazu, dass es Dir, aus Angst vor absoluter Einsamkeit trotz zunehmender Gewalt, zunehmend undenkbar bis gefühlt lebensbedrohlich wird, Dich von ihm zu trennen.