Jekyll und Hyde: Die Betroffene hat zwei Partner

Vorspiel im Wolkenkuckucksheim: Er labt sich an Deinen Gefühlen

Zu Beginn Eurer Beziehung ist er fasziniert von Deinem Innenleben, will jedes Gefühl von Dir erforschen und verstehen. Was Du nicht weißt: Sein Interesse an Deiner Innenwelt gilt nicht dem, was Du fühlst; Dein Wohlbefinden ist für ihn nur in zweierlei Hinsicht von Interesse: entweder als Spiegel einer Person, die er gerne wäre oder als Hebel, den er beherrscht, ein Lichtschalter, den er an- und ausschalten kann.

Viele Betroffene beschreiben die Anfangszeit ihrer Misshandlungsbeziehung mit dem Satz „Ich fühlte mich, wie auf Händen getragen“, gefolgt von „er genoss es, mir dieses Gefühl zu vermitteln“. Zentral sind dabei zwei Punkte: Zum einen, dass er die Macht hat, Dir ein Hochgefühl zu vermitteln. Das gibt ihm auch die Macht, Dir dieses Gefühl jäh zu entziehen. Der andere Aspekt ist, dass er SICH als jemand erleben will, der eine Partnerin auf Händen trägt. Er fühlt und erlebt sich durch Dich. DAS ist der Grund, warum er anfangs kopfüber in seine Gefühle eintaucht, Dir gebannt zuhört, wenn Du über Deine aktuelle Befindlichkeit sprichst: Solange er darin die Rolle des strahlenden Helden spielt, erzählst Du ihm sein Lieblingsmärchen. Und solange Du das tust, darfst Duauch die Prinzessin sein.

Wenn Du sehnsuchtsvoll an die Zeit zurückdenkst, in der er wie gebannt an Deinen Lippen hing, an Momente, in denen er sogar mit in Deine Gefühle einstieg es vielleicht sogar einer der herausragendesten Eindrücke Dich durch seine Augen betrachtet und dabei aufs innigste begehrt und geliebt zu fühlen.

Du warst nicht gemeint. Seine Liebe und sein Begehren galt dem Bild von sich selber, das er in Deiner Welt war. Endlich, endlich! konnte er sich so wahrnehmen, wie er meinte, sein zu müssen.

Das Begehren in seinen Augen, während er in Deinen zu versinken schien galt nicht Dir. Die Liebe, die Du spürtest, galt nicht Dir. Hätte man ihn damals gefragt was er für Dich fühlt und hätte er ehrlich geantwortet, wäre es niemals Liebe gewesen, die er empfindet. Sondern Dankbarkeit. Dafür, dass Du ihm ermöglichst, sich selber als liebenswert zu erleben.

Es hält nicht lange.